Familienfest

Von Dagmar Ellen Fischer

Das bekannte Theaterphänomen zu Vorstellungsbeginn geht so: Wenn es langsam dunkel wird, erlischt auch das Stimmengewirr. Nicht so am letzten Abend der Privattheatertage in den Hamburger Kammerspielen, hier kehrte es sich um: Je dunkler desto lauter, das Publikum schien zu denken, wenn ich nicht zu sehen bin, hört mich auch niemand… Und ist erst einmal eine gewisse akustische Hemmschwelle überschritten, steht der Partystimmung im Zuschauerraum wenig im Weg: Lachen, Schenkelklopfen und mit erhobener Stimme die großartigen Bonmots des Stücks kommentieren, schließlich soll der Sitznachbar ja auch was davon haben, wie gut man sich amüsiert.

Passt ja auch bestens zur Story des Abends: Auf der anderen Seite der Rampe treffen sich fünf Freunde zum Abendessen, die Stimmung steigt mit dem Alkoholkonsum, und mit ihm die Aggressionen: „Der Vorname“ eines noch ungeborenen Kindes wird zum Streitpunkt, an dem sich die Geister der Anwesenden scheiden – und die Körper derselben aufeinander losgehen. Das Junge Theater Göttingen lieferte in der Inszenierung von Max Claessen den finalen Beitrag zum Wettbewerb und eine Bühnenfassung des erfolgreichen Stoffs von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière. Der agile norddeutsche Theatergänger konnte diese Göttinger Fassung mit jener des Deutschen Schauspielhauses Hamburg vergleichen, die noch bis kurz vor Toresschluss des Theaters permanent ausverkauft lief – aber Vergleiche hinken ja bekanntlich.

Und so endete die wortgewandte Komödie nach 100 Minuten wie sie begann: Mit launigen Sprüchen und lautstarker Begeisterung. Auch das ist Festival: Ein Fest fürs Publikum. Superstimmung hier im Theater – was hat der da vorne auf der Bühne gerade gesagt?

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Die Zuschauer haben die Wahl, und Holger Zebu Kluth zählt aus.

Photo: Lea Fischer

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