Party

Von Dagmar Ellen Fischer

Ohne Bühnenkultur fehlt ein existenzielles Lebensmittel. Für uns, die wir mit und im Theater leben, ist das klar, (Lokal)Politiker hingegen scheinen mitunter auf andere Nahrungsketten zu setzen, oder fördern gar Ungenießbares. So geschehen in Göttingen: Die Zukunft des Jungen Theaters Göttingen steht auf dem Spiel, weil Politiker plötzlich andere Prioritäten setzen, um sich persönlich zu profilieren. Als der Göttinger Intendant Andreas Döring auf der Gala der Privattheatertage am Sonntagabend den Publikumspreis entgegen nahm, nutzte er die Gelegenheit der Danksagung, um mit markigen Worten auf die heimatliche Misere hinzuweisen – hatte dieser Preis doch schon einmal ein Signal gesetzt: 2012 war das Berliner Grips Theater vom Aus bedroht und die Verleihung des PTT-Publikumspreises für „Frau Müller muss weg“ im vergangenen Jahr ein Baustein, der aus der desolaten Lage heraus half. 2013 erkor das Publikum „Der Vorname“ aus Göttingen zum Festival-Liebling.

J. B. Kerner, A. Döring, R. Kruse
Johannes B. Kerner (li.) gratuliert Andreas Döring (Mitte) vom Jungen Theater Göttingen, Rüdiger Kruse (re.), MdB
Photo: Lea Fischer

And the winners are: Die Komödie „Eine Sommernacht“, das Drama „Die Saison der Krabben“ und der Klassiker „Richard III.“ Eine Krone symbolisiert den Klassiker, Teufelshörner das Drama und die Narrenkappe steht für Komödie – und genau diese drei Kopfbedeckungen zieren die metallenen Trophäen, die als schwere und gewichtige Auszeichnung verliehen wurden. Diese Aufgabe übernahm Johannes B. Kerner, der auch als Moderator die neunzigminütige Gala gestaltete, immer wieder aufs Unterhaltsamste unterbrochen von Anna Depenbusch an Klavier und eigenen Liedern.

Die Preise
Die vier Auszeichnungen von links nach rechts: Narrenkappe, Teufelshörner, Krone und ein Herz als Symbol des Publikumspreises
Photo: Lea Fischer

Mit der zweiten Ausgabe der Privattheatertage können die Initiatoren Axel Schneider und Holger Zebu Kluth zufrieden sein. In Zahlen: 153 Beteiligte kamen aus 9 Städten und absolvierten 12 Vorstellungen in 8 Hamburger Spielstätten, 4567 Besucher sorgten für eine Auslastung von 90,5 Prozent, 10 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Erfolg ist die Grundlage, auf der Intendant Schneider das Signal Richtung Bund sandte in Form seiner Hoffnung auf eine auch zukünftige Förderung. Rüdiger Kruse, MdB, reagierte postwendend und zog eine witzige Parallele zum „Publikumspreis“, der deutschlandweit am 22. September verliehen wird.

Axel Schneider
Ein strahlender Axel Schneider beim Finale der Privattheatertage
Photo: Lea Fischer

Apropos andere Nahrungskette: Auf der Party nach der Gala gab es neben Wein, Tanz und Gesang auch kleine, in blauweiß-kariertes Papier eingewickelte Bio-Brote als Nachtzehrung – origineller als ein Buffet und leckerer als Finger-Food. Gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden, frei nach dem Motto des Moderators: Wer sich am anderen Tag erinnern kann, war nicht dabei!

2 Gedanken zu „Party

  1. Ich bin nicht so der Theatergänger, wahrscheinlich fehlt da auch das Theater in unserer Stadt. Aber ich liebe Musicals und verbinde immer einen Besuch mit einem verlängerten Wochenende in der jeweiligen Stadt.

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